Was macht eigentlich der Psychologe?

Wir Menschen machen es uns gerne einfach. Das spart Energie und Zeit. Wenn wir eine Szene im Alltag erblicken, wenn wir Situationen beurteilen, Objekte erkennen, Inhalte interpretieren und andere Personen einschätzen, so geht das im schnellsten und einfachsten, indem wir sie in eine Schublade stecken können. 

 

Gerade im zwischenmenschlichen Miteinander wird dies deutlich: Männer, Frauen, Handwerker, Muslime, Bäcker, Lehrer, Ärzte, Psychologen - mit all diesen Kategorien verbinden wir gewisse Erwartungen an deren Verhalten und gewisse Assoziationen mit deren Eigenschaften. So ist ein typischer Stereotyp in Bezug auf den Mann das Durchsetzungsvermögen, ein typischer Stereotyp in Bezug auf die Frau das emotionale Einfühlungsvermögen. Jeder Mann besitzt also dieses Durchsetzungsvermögen, jede Frau dieses Einfühlungsvermögen. Auf Grund dieser Stereotype bewerten wir gleiches Verhalten von Mann und Frau völlig verschieden. Ein Mann der auf sein Recht beharrt gilt als hartnäckig. Eine Frau hingegen wird als penetrant wahrgenommen. Er kann sich durchsetzen, sie ist hysterisch. Auf der anderen Seite kann eine Frau als sensibel gesehen werden, der Mann als absolut nicht belastbar.

 

Im Alltag begegnet uns oft die Vorstellung darüber, dass Frauen empathiefähiger als Männer seien, Männer sich dafür besser räumlich orientieren können. Wissenschaftliche Studien zeigen hingegen ein anderes Bild. Frauen erwiesen sich nur dann als emapthischer, wenn sie an ihre Fähigkeit erinnert wurden. Weist man Männer darauf hin, dass sie in einem Orientierungstest besser abschneiden, dann tun sie dies auch. Bemerkenswert ist, das dies auch für Frauen gilt. Sagt man Frauen sie wären in einem solchen Test besser, dann sind sie es die besser abschneiden.

 

Das obige Beispiel zeigt den großen Einfluss den unsere Vorstellungen von uns auf uns und andere haben. Auch gegenüber Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiatern haben sich einige dieser Stereotpype gebildet. Vieles unserer heutigen Annahmen über diese Berufsgruppe verdanken wir den Medien, da die Mehrheit der deutschen Bevölkerung keinen Psychologen persönlich kennt.

 

Im Allgemeinen wird kaum differenziert zwischen den verschiedenen Berufsgruppen. Dies hat zur Folge, dass diese Personen als austauschbar wahrgenommen werden. Sie sehen gleich aus, behandeln alle schwerwiegende psychische Krankheiten und verwenden hierfür dieselben Methoden.

Oft stellt man sich den Psychologen als Mann mittleren Alters mit Brille und Vollbart vor, seriös gekleidet mit weniger werdenden grauen oder weißen Haaren. Eben genau so wie Sigmund Freud aussah. Weiter beliebte Bilder sind die des alternativen „Ökos“ oder des zerzausten Neurotikers. Fast immer ist der Psychologe ein Mann. Ein Mann der selbst behandlungsbedürftig gezeigt wird.

 

Meist auf der Couch ist die Methode der Wahl das Verbreichen von Medikamenten, die Analyse des Unbewussten. Der Psychologe nimmt Ziel auf die Kindheit, verwendet Hypnose und manchmal die Elektrokrampftherapie.

 

Tatsächlich finden sich jedoch hinter den verschiedenen Berufsbezeichnung ganz unterschiedliche Bildungsverläufe, verschiedene Methoden, manchmal ein ganz anderes Menschenbild und Schwerpunkt.

 

Ein Psychologe hat mindestens fünf Jahre Psychologie an der Universität studiert. Im Studium befasst sich der Psychologe mit dem Erleben und Verhalten des Menschen, seiner Entwicklung im Laufe des Lebens und aller dafür maßgeblichen inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen. Der Psychologe lernt Wege kennen ideale Bedingungen für die Entwicklung und Förderung des Menschen zu bestimmen und diese auch umzusetzen. Es geht ihm dabei nicht nur darum, dass Menschen weniger krank werden, sondern vielmehr darum deren Gesundheit zu fördern. Probleme, Konflikte und Krisen gehören mit zum Leben dazu. Die Bewältigung solcher Situationen, die persönliche Veränderung und Weiterentwicklung kann verändert und gefördert werden.

 

Psychotherapeuten machen nach dem Studium noch eine meist zwei bis dreijährige Zusatzausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten. Sie erlernen Grundkenntnisse in anerkannten psychotherapeutischen Verfahren und eine vertiefte Ausbildung in einem dieser Verfahren. In Deutschland sind derzeit nur drei Verfahren anerkannt. Die Kosten einer Behandlung werden von einer gesetzlichen Krankenkasse nur für Psychoanalyse, tiefenpsychologische Psychotherapie sowie die Verhaltenstherapie übernommen.

 

Die Tätigkeit von Psychotherapeuten beschränkt sich nach dem Psychotherapeutengesetz auf die Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert.

 

Ein Psychiater hat Medizin studiert und nach diesem Studium einige Jahre Weiterbildung in der Psychiatrie und Psychotherapie sowie eine Facharztprüfung absolviert. Der Psychiater stellt eine Diagnose und veranlasst die Behandlung. Er darf und wird Medikamente verschreiben. Arbeitet ein Psychiater als ärztlicher Psychotherapeut in eigener Praxis wird in Treffen mit den betroffenen Personen meist einmal die Woche über ein bis zwei Jahre stattfinden.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0